Welche Verbindungen gab es zwischen Otto dem Großen und Byzanz? Sind Geschenke, Heiratspläne oder sonstiges bekannt?

Martina Drexler

Geschichte

Schon vor dem Aufstieg des deutschen Königs Otto I. (reg. 936-973) zum Kaisertum war es zu ersten Gesandtschaften zwischen Byzanz und Otto gekommen, so in den Jahren 945, 948/949 und 955/956 (letztere nach dem Sieg Ottos über die Ungarn auf dem Lechfeld). Als Otto I. am 2. Februar 962 als Dritter „nach Konstantin und Karl“, wie es in einer Quelle heißt, von Papst Johannes XII. in Rom zum Kaiser gekrönt wurde, wollte er, ähnlich wie Karl der Große 160 Jahre zuvor, seinen neuen Rang insbesondere durch das ja ununterbrochen seit der Antike bestehende römische Kaisertum in Konstantinopel anerkennen lassen. Diesem Zweck sollte die Eheschließung seines Thronfolgers Otto II. mit einer byzantinischen Prinzessin dienen; diese Mission legte Otto I. in die Hände die italienischen Diplomaten Liutprand von Cremona, der zuvor schon 949/950 im Dienst des Königs Berengar II. von Italien in Byzanz gewesen war. Diesmal scheiterte Liutprand allerdings bei seinen Verhandlungen mit Kaiser Nikephoros II. Phokas, der sowohl aufgrund der jüngsten großen militärischen Erfolge der Byzantiner im Kampf gegen die Araber als auch wegen der Bedrohung der byzantinischen Besitzungen in Unteritalien durch die Ottonen die Hand einer byzantinischen Prinzessin und die Anerkennung des Kaisertums Ottos verweigerte. In der Folge drohte sogar ein Krieg zwischen den beiden Imperien um die Macht in Süditalien. Im Jahr 969 wurde allerdings Kaiser Nikephoros II. Phokas ermordet, und sein Nachfolger Johannes I. Tzimiskes war den Ersuchen Ottos um eine Eheverbindung gegenüber aufgeschlossener. Mit der Nichte des Tzimiskes, Theophano, wurde zwar nicht die gewünschte Kaisertochter in den Westen entsandt, aber Otto I. ließ sie am 14. April 972 unter großem Prunk mit seinem Sohn Otto II., den er davor zum Mitkaiser ernannt hatte, vermählen. Kaiserliche Pracht aus Byzanz imitierte man mit der Heiratsurkunde für Theophano (heute im Staatsarchiv Wolfenbüttel), die mit Goldtinte auf purpurgetränktem Pergament verfasst wurde (ein Bild davon ist auch in der Schallaburg-Ausstellung zu sehen). Nach dem Tod Ottos I. 973 übernahmen Otto II. und Theophano die Herrschaft, und nach Ottos II. frühem Tod 983 führte Theophano sogar die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn Otto III. bis zu ihrem eigenen Tod 991 (bestattet wurde sie in der Kölner Kirche St. Pantaleon). Theophano brachte auch wertvolle Geschenke wie Seidenstoffe und Reliquien aus Byzanz mit; einiges davon fand seinen Weg in das wichtige Frauenkloster in Essen, das von mehreren Äbtissinnen aus dem Haus Ottos des Großen, darunter zwischen 1039 und 1058 von einer gleichnamigen Enkeltochter Theophanos, geleitet wurde. Von dort stammt auch das in der Schallaburg-Ausstellung gezeigte Kreuznagel-Reliquiar, das einen aus Konstantinopel nach Essen transferierten (angeblichen) Nagel aus dem Kreuz Christi beinhaltet (in Raum IX, Katalognummer 130). Theophanos Sohn Otto III. war dann besonders stark vom Vorbild des byzantinischen Kaisertums beeinflusst und plante unter anderem auch dem westlichen Kaisertum wieder eine feste Hauptstadt in Rom (analog zu Konstantinopel) zu geben – sein früher Tod im 21. Lebensjahr im Jahr 1002 verhinderte allerdings die Umsetzung dieser Ideen.

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