Viel wird von der Faszination des Westens gegenüber Byzanz berichtet, aber worin lag diese eigentlich?

Gunnar

Wissenswertes

Die Beziehungen zwischen dem lateinischen Westen und dem Byzantinischen Reich hatten im Lauf der Jahrhunderte höchst unterschiedliche Intensität und waren von stark wechselnden politischen wie wirtschaftlichen Interessen geprägt. Als konstant erwies sich jedoch das beidseitige Wissen, dass man in Konstantinopel über Gegenstände verfügte, die man im Westen nicht hatte und auch nicht – oder nicht gleichwertig – herstellen konnte. Die Faszination ging also vordergründig von Artefakten aus, welche die byzantinischen Kunsthandwerker aus edelsten Materialien wie Elfenbein, Gold, Silber, Edelsteinen, Email und Seide herstellten. Dass die Kostbarkeiten heute nicht mehr an ihrem Entstehungsort, sondern vornehmlich in Kirchenschätzen, westeuropäischen Sammlungen und einigen Museen in Übersee beheimatet sind, mutet befremdlich an. Die begehrten Luxuswaren aus Byzanz traten bereits ab dem Frühmittelalter ihren Weg in den Westen an: Nachdem durch die Krönung Karls des Großen im Jahre 800 das Kaisertum im ehemaligen Weströmischen Reich wiederbelebt worden war, herrschte zwischen Byzanz und dem Westen ein reger diplomatischer Austausch. Es gehörte zu den protokollarischen Pflichten der zahlreichen Gesandtschaften, kostbarste Geschenke zu überbringen, die entsprechend bemessene Gegengeschenke zur Folge hatten. Für das 10. Jahrhundert sind besonders viele Gesandtschaften überliefert, die anlässlich der Heiratsverhandlungen um eine byzantinische Prinzessin für Otto II. (reg. 973–983) erfolgten. Die kaiserliche Schatzkammer füllte sich, und zur Jahrtausendwende schmückten byzantinische Pretiosen viele hochrangige Stiftungen. Byzantinische Gegenstände gelangten phasenweise geradezu massenhaft in den Westen und prägten dort die Vorstellung von der Pracht des byzantinischen Kaiserhauses. In Konstantinopel gab es unendlich viel zu bewundern, und der Westen hatte ja nach der Demontage der römischen Staatlichkeit großen Aufholbedarf. Der Westen stagnierte, der Osten glänzte. Kunstgegenstände, Schmuck, Seide und Reliquien gelangten von Konstantinopel in die Machtzentren des Westens; bis in das 7. Jahrhundert verzeichnete man in einigen Regionen sogar eine flächendeckende Versorgung mit byzantinischen Waren.

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