Weiß man etwas über die Heiler / Mediziner in Byzanz? Waren diese aus Persien beeinflusst oder von Griechenland, gibt es da vielleicht noch irgendwo Aufzeichnungen? Oder ist alles verloren gegangen?

Doris Garn

Alltag

Über die Heilkunst der Byzantiner sind wir durch verschiedene Quellen unterrichtet. Zahlreiche Berichte von Wunderheilungen in den hagiographischen Quellen bezeugen, dass göttliche Hilfe von Heiligen oder an Pilgerstätten effektiver (und für viele sicher auch besser bezahlbar) war als die medizinische Kunst. Andere Quellen berichten von Ärzten, Pflanzenheilkunde (Dioskorides in einer Wiener Prachthandschrift des 6. Jhs.), chirurgischen Eingriffen (besonders bei Kriegsverletzungen) und Hebammentätigkeit (einer der wenigen Berufszweige für Frauen). Durch schwere körperliche Arbeit verursachte Arbeitsunfälle waren häufig. Athanasios, der Gründer der Megiste Laura auf dem Berg Athos, kam ums Leben, als ein Baugerüst über ihm zusammenbrach. 
Wie viele Aspekte der literarischen Kultur der Byzantiner basierte auch die Schulmedizin auf klassischen Vorbildern. Hippokrates und Galen wurden auch in Byzanz gelesen und in Handschriften kopiert. Neu verfasste Traktate waren u.a. ein Buch zur Pferdeheilkunde (Hippiatrica), und ein Lehrgedicht zur Uroskopie (diagnostische Harnbeschauung). Massgeblich für die byzantinische Medizin und auch von arabischen Autoren rezipiert ist das Kompendium der Heilkunde in sieben Büchern, das Paul von Ägina im 7. Jh., z.T. aufgrund früherer Texte, verfasst hat. 
Manche Klöster widmeten sich der Krankenpflege. Besonders bekannt ist das Pantokrator-Kloster in Konstantinopel, das von Kaiser Johannes II Komnenos (1118-1143) mit einem grossen Krankenhaus ausgestattet wurde. Dort gab es 60 Betten, aufgeteilt in fünf Abteilungen, eine davon nur für Frauen, mit weiblichem Personal. Zum Stab der 10 Ärzte gehörte auch eine Ärztin. Zusätzlich gab es einen Apotheker mit drei Assistenten. Zum Pantokrator-Komplex gehörte sicher, wie auch in anderen Klosterbibliotheken, ein Grundbestand an Manuskripten mit medizinischen Texten. 
Die Aneignung medizinischer Kenntnisse diente nicht nur der praktischen Anwendung, sondern galten als Ausdruck höchster Bildung. Die Literaten der gehobenen Aristokratie, u.a. Michael Psellos (1018-1078) und Anna Komnena (1083-1153), tragen in ihren Schriften stolz ihre medizinischen Kenntnisse zur Schau.

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