Warum gab es im orthodoxen Einflussgebiet (oder slawischen Ländern) keine Könige sondern (Groß-)Fürsten und Zaren?

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Wissenswertes

Diese Differenzen in der Terminologie haben mehr mit der Wiedergabe der jeweiligen Herrschertitel im Deutschen bzw. anderen Sprachen zu tun als mit tatsächlichen Unterschieden im Ämterverständnis. So werden die Träger des Titels eines velikij knjaz’ (im Deutschen: „Großfürst“) unter den russischen Fürsten im 12.-15. Jh. in an sie gerichteten Briefen aus Konstantinopel auf Griechisch als „megas rex“ angesprochen, was auf Deutsch eher „großer König“ bedeutet. In Serbien wurde ab dem 12. Jh. die Bezeichnung „kral“ (im Griechischen „krales“) für den Herrscher üblich, was wiederum auch meist als „König“ wiedergegeben wird (und sich vermutlich vom Namen „Karl“ des fränkischen Königs und Kaisers Karl des Großen ableitet, analog zu „Kaiser“ vom römischen Personennamen „Caesar“). Die Bezeichnung „Zar“ im Russischen, Bulgarischen oder Serbischen schließlich leitet sich vom griechisch-byzantinischen „kaisar“ (was wiederum das lateinische „Caesar“ wiedergibt) und somit direkt aus der römischen Kaisertitular ab; damit wollten ab dem 9. Jh. orthodoxe Herrscher in Südosteuropa ihre Gleichrangigkeit mit dem „römischen“ (byzantinischen) Kaiser in Konstantinopel ausdrücken. Für letzteren wiederum wurde ab dem 7. Jh. das griechische Wort „basileus“ zum Hauptbestandteil des Titels, was ursprünglich eigentlich „König“ bedeutet. Somit ist es immer wichtig, sich die tatsächliche Terminologie und Bedeutung der Titel in den Originalsprachen anzusehen.

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