Seit wann tragen die Päpste "rot" (Mozetta und Schuhe) im Sinne des kaiserlichen Purpur? ... und ist der kaiserliche Purpur der Grund, warum Päpste in "rot" beerdigt werden?

Klaus König

Wissenswertes

Nach dem Vorbild der römischen bzw. der (sich ja als ununterbrochene Fortsetzung des römischen Kaisertums verstehenden) byzantinischen Kaiser blieb die Purpurfarbe im Westen Europas auch nach dem Zerfall der römischen Herrschaft im 5. Jahrhundert ein besonderes Auszeichnungsmerkmal. In mit Purpur gefärbte Seidentücher (die vor allem aus Byzanz importiert wurden) hüllte man etwa in der Westkirche außergewöhnlich hoch geschätzte Reliquien. Bis ins 6. Jh. wurde auch das Pergament von „Luxushandschriften“ etwa des Neuen Testaments mit Purpur gefärbt. Nach der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 (der schon dabei einen Purpurmantel trug) begannen nicht nur die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches im Westen nach römisch-byzantinischem Muster Purpur etwa für ihre Krönungsmäntel und andere Insignien zu nutzen, sondern insbesondere ab dem 10. Jahrhundert auch die Päpste, die sich mittlerweile als zumindest dem Kaiser gleichrangig, wenn nicht sogar überlegen fühlten (vgl. etwa die in dieser Zeit entstehende Fälschung der „Konstantinischen Schenkung“, wonach Kaiser Konstantin der Große bei seinem Aufbruch in den Osten den gesamten Westen des Römerreiches dem Papst unterstellt hätte).
Von den Insignien des päpstliches Ranges (den „Pontifikalien“) wurden u. a. Schuhe und Handschuhe purpurgefärbt. Eine besonders wichtige Rolle spielte im 11. bis zum 13. Jh. die „purpurea cappa“, also der purpurne Papstmantel (aus dem dann auch die kürzere Mozetta hervorging), als Zeichen der päpstlichen Herrschaft; die Einkleidung (lat. „immantatio“) eines neugewählten Papstes mit diesem Mantel war auch wesentlicher Teil seiner Einsetzung ins Amt. Zusätzlich konnte man auch darauf verweisen, dass der Spottmantel, der Jesus Christus vor der Kreuzigung umgelegt wurde, nach Auskunft der Evangelisten Markus und Johannes purpurfarben gewesen sei; dazu kamen auch Umdeutungen der Symbolik im Hinblick auf das Blut der Märtyrer usw. Papst Paul II. (1464-1471) schrieb schließlich auch für die Kardinäle scharlach- bzw. purpurfarbene Gewänder und Hüte vor, um ihren Anteil an der päpstlichen Gewalt zu symbolisieren. In dieser Tradition werden auch verstorbene kirchliche Träger des „Purpurs“ nach ihrem Tod in diesen Farben aufgebahrt.

Mein Besuch

0 Einträge Eintrag

Voraussichtliche Besuchszeit

Liste senden