Ich möchte wissen, ob das Patriarchenkreuz aus Byzanz stammt, und warum einige der barockisierten Kirchen in Wien (z.B. Alser Kirche, Schottenkirche, Bergkirche Rodaun) jenes auf ihren Kirchtürmen tragen.

Christian Tillinger

Wissenswertes

Man kann schon sagen, dass das Patriarchenkreuz, also die Form dieses Doppelkreuzes mit zwei horizontalen Balken, mit großer Wahrscheinlichkeit aus Byzanz kommt. Im Jahr 540 wurde die Stadt Apameia in Syrien von den Persern bedroht und nach kampfloser Aufgabe "nur" geplündert. Dass die Stadt nicht zerstört und ihre Bewohner somit verschont geblieben sind, führte man auf die sich bis zu diesem Zeitpunkt in der Stadt befindliche Reliquie des Heiligen Kreuzes zurück. Dieses wurde auf Grund seiner Wundertätigkeit dann durch Kaiser Justin II. nach Konstantinopel verbracht und eine Vielzahl von Kreuzpartikeln fanden als Reliquien ihren Weg ins Byzantinische Reich und darüber hinaus. In Zusammenhang mit diesem erstarkenden Kult um das Heilige Kreuz entwickelte sich vermutlich auch das Doppelkreuz, das in seiner Form an das Kreuz Christi erinnern soll.

Während Patriarchekreuze (Doppelkreuze) im ausgehenden 13. und frühen 14. Jh. seltener geschaffen wurden, lebte das Interesse an dieser Kreuzform in der  Folgezeit wieder auf: sie erscheinen auf Siegeln, als Abzeichen der Hospitaliter vom  Hl. Geist und als Attribute.
Die im Barock allgemein wieder auflebende Verehrung des Patriarchenkreuzes brachte eine Erweiterung des Schutzgedankens im Sinne der Gegenreformation mit sich, z. B. Schutz vor Unglauben bzw. Glaubensabfall, sowie neue Verbindungen des Doppelkreuzes, etwa mit dem Herz-Jesu-Kult oder auch als Andachtskreuz. Daher verwendet es nicht, wenn dieses Doppelkreuz bzw. Patriarchenkreuz auf den Türmen vieler barocker Kirchen im deutschsprachigen Raum erscheint.

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