Eroberungen sind in früheren Zeiten (ohne schnell Verkehrsmittel) wohl nur an bestimmten Orten (Zentren, Burgen, Städten, Häfen) möglich gewesen. In den Weiten eines Landes hat man sie vielleicht gar nicht wahrgenommen. Was ist darüber erforscht worden?

Lore Brandl-Berger

Geschichte

Zwar stimmt es, dass sich Herrschaft vor allem auf bestimmte Zentralpunkte (Festungen, Städte) stützte und dauerhafte Eroberung die Einnahme dieser Orte erforderte. Doch mussten sich durchziehende Armeen meist aus dem umliegenden Land versorgen, sodass auch einzelne Dörfer und Randgebiete von feindlichen Scharen berührt und ausgeplündert wurden. Sogar der Durchzug eigener Truppen war eine große Belastung – für die Armee auf dem Weg von Konstantinopel nach Mantzikert an der Ostgrenze quer durch Kleinasien gegen die Seldschuken im Jahr 1071, die ca. 40 000 Mann umfasste, hat etwa John Haldon durch Computermodellierung zeigen können, dass dieses Heer links und rechts seiner Route einen mehrere 10 km breiten Streifen „leer fraß“. Nach dem Abschluss der Kampfhandlungen schickte die siegreiche Partei ihre Steuereinnehmer (nebst Truppenbegleitung) in die verschiedenen Siedlungen und Landstriche, sodass auch auf diese Weise der Wechsel politischer Herrschaft bekannt wurde. Und bei wiederkehrenden Einfällen und unsicheren Herrschaftsverhältnissen konnten auch dauerhaft von ständiger Siedlung weitgehend freie Streifen als „Niemandsland“ entstehen, etwa an der byzantinisch-arabischen Grenze, wo vom 7. bis zum 9. Jh. fast durchgehend Kriegszustand herrschte.

Neue auch archäologische Ergebnisse zum letzteren Fall hat etwa A. Asa Eger in seinem Buch „The Islamic-Byzantine Frontier. Interaction and Exchange among Muslim and Christian Communities” (London, New York 2015) zusammengefasst. Eine beispielhafte Untersuchung zur Kriegsführung in Byzanz stammt von dem Schweizer Offizier und Byzantinisten P. M. Strässle („Krieg und Kriegführung in Byzanz. Die Kriege Kaiser Basileios´ II. gegen die Bulgaren (976–1019)“. Köln 2006). Und überblicksmäßig finden Sie Informationen zu Aspekten der Kriegsführung und ihrem Einfluss auf die Bevölkerung in folgenden frei verfügbaren Beiträgen (mit weiteren Literaturhinweisen):

 

 

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