Welchen Einfluss hatte die Slawenmission durch Kyrill und Method auf den Austausch zwischen Byzanz und dem Westen, insbesondere im Gebiet des heutigen Österreichs?

Stephan

Geschichte

Die „Slawen-Mission“ des Kyrill und Method erreichte ab 863/864 mit dem Großmährischen Reich im Gebiet der heutigen Slowakei und der Tschechischen Republik eine dem heutigen Österreich unmittelbar benachbarte Region. Allerdings stieß sie von Beginn an auf den Widerstand dort bereits tätiger westkirchlicher Kleriker als Vertreter der benachbarten Bistümer Salzburg und Passau, die um ihre Macht im Grenzraum des (damaligen) fränkischen Reiches fürchteten. Die großmährischen Fürsten hatten aber deshalb auch um Missionare aus Konstantinopel gebeten, um den kirchlichen Einfluss der fränkischen Nachbarn nicht zu groß werden zu lassen. Mit ähnlichen Hoffnung suchte der um dieselbe Zeit nach byzantinischem Ritus getaufte Herrscher der Bulgaren Boris-Michael den Kontakt zum Papst in Rom, um den Einfluss Konstantinopels zu schwächen.
867 reisten Kyrill und Method nach Rom, wo eine Lösung des Konflikts in Mähren möglich schien; allerdings verstarb Kyrill dort 869. Nach seiner Rückkehr nach Mähren wurde Method zusammen mit 20 seiner Schüler im Jahr 870 auf dem Weg zu einer neuerlichen Romreise auf Betreiben der lokalen Bischöfe (Erzbischof Adalwin von Salzburg [859–873], Bischof Hermenrich von Passau [866–874] und Bischof Anno von Freising [854–875]) sogar gefangengenommen und bis 873 im Kloster Reichenau im Bodensee in Haft gehalten. Nach seiner Freilassung setzte Method die Bemühungen um eine eigenständige mährische Kirche, der alternativ zu Latein auch das Kirchenslawische als Liturgiesprache erlaubt sein würde, fort. Doch wurden die meisten seiner Schüler nach seinem Tod 885 aus dem Mährischen Reich vertrieben, das fest in die westkirchlichen Strukturen eingegliedert wurde. Zuflucht fanden viele der Schüler Methods aber im Bulgarenreich, das sich wiederum nun eindeutig an die byzantinisch-orthodoxe Tradition angeschlossen hatte.
Gewissermaßen setzte sich jeweils die „Logik“ der geographischen Nähe durch. Im Rahmen der Beziehungen zwischen Byzanz und dem Westen stellte die „Slawenmission“ Kyrills und Methods also einen Aspekt der Verschärfung der kirchenpolitischen Konflikte und der Abgrenzung der jeweiligen Einflusssphären da, wobei diese Konflikte auch unmittelbar im Donauraum um und im heutigen Österreich ausgetragen wurden. Dennoch werden Kyrill und Method bis heute sowohl in der Ost- als auch in der Westkirche als Heilige verehrt; 1980 erklärte sie Papst Johannes Paul II. sogar zu Mitpatronen Europas.

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