Woher hatte Byzanz nach der Zerstörung und Plünderung durch Venezianer und Franken 1204 die Mittel zum Wiederaufbau?

Mag. Eva Bastirsch

Geschichte

1261 war es Michael VIII. Palaiologos (reg. 1259-1282) gelungen, Konstantinopel wieder unter byzantinische Herrschaft zu bringen. Nahezu kampflos marschierte sein Heer im Juli 1261 in die Stadt ein. Konstantinopel fand er in einem erbärmlichen Zustand vor. Viele prächtige Stadtvillen hatten sich durch Brände in rußgeschwärzte Ruinen verwandelt. Innerhalb der Stadtmauern waren sogar Weizenfelder angelegt worden. Die Staatskassen waren also leer. Daher konzentrierte sich Michael VIII. vorerst darauf die Stadtmauern und besonders symbolträchtige Bauten zu renovieren. Weil der lateinische Kaiser Balduin II. (reg. 1228 – 1261) aus Geldnot die bleiernen Dachpfannen zahlreicher Paläste veräußert hatte, waren selbst die kaiserlichen Paläste in äußerst schlechtem Zustand. Die Hagia Sophia wurde ebenso für den orthodoxen Kultus wieder in Betrieb genommen. Allmählich kehrte auch die byzantinische Aristokratie zurück. Viele Renovierungsarbeiten von Kirchen, öffentlichen Gebäuden und Palästen wurden durch private Geldgeber finanziert. Michael VIII. beschloss mit den Genuesen ein Handelsabkommen, das ihnen eine Sonderstellung im Byzantinischen Reich einräumte, gleichzeitig begann der genuesische Handel im Mittelmeerraum zu boomen. Das Zentrum der Genuesen sollte das Viertel Pera werden. Auch muslimischen Kaufleuten kam Michael VIII. entgegen und ließ daher eine Moschee restaurieren. Die Innenausstattung dieser Mosche finanzierte sogar der Mamlukenherrscher Baibars I. (reg. 1260 – 1277). Zudem erstarkte auch die byzantinische Flotte unter Michael VIII. All dies konnte langfristig aber nur durch eine Politik der Geldentwertung gelingen. Trotz dieser wirtschaftlichen Erfolge ist Michael VIII. umstritten, da er gegenüber dem Westen eine pragmatische Politik verfolgte, und sich daher auch oftmals der Katholischen Kirche annäherte. Die Bevölkerung erinnerte sich aber noch lebhaft an die Zeit der lateinischen Fremdherrschaft. Unter Michaels Nachfolgern, seinem Sohn Andronikos II. (reg. 1282 – 1328) und seinem Enkel Andronikos III. (reg. 1328 – 1341) herrschten bürgerkriegsähnliche Umstände in Byzanz.

 

Vgl. hierzu: Mabi Angar; Claudia Sode: Byzanz. Ein Schnellkurs. Köln 2010.

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