Wie war es den Kreuzfahrerstaaten möglich, solch große Burgen bauen zu lassen, deren Ruinen heute überall in Griechenland und zum wohl geringeren Teil auch in Kleinasien stehen? [...]

Gero Vogl

Geschichte

[...] Mit welchen Mitteln konnten sie die Bevölkerung dazu bringen, diese gewaltigen Arbeitsleistungen zu vollbringen? Zwang, aber wodurch? Wirtschaftlicher Aufschwung gegenüber der alten verknöcherten byzantinischer Zeit?

Zunächst ist zu sagen, dass das Bild täuschen kann. Nur wenige Burgen wurden von den Kreuzfahrern neu errichtet. Meistens übernahmen und modernisierten sie byzantinische Festungen. Außerdem handelt es sich bei den beeindruckendsten Mauerresten oft "nur" um venezianische Erweiterungen aus späteren Jahrhunderten. Aber es stimmt, dass die Kreuzfahrer durchaus intensiv bauten. Sie übertrugen das in Westeuropa übliche Feudalsystem auch auf ihre neuen Besitzungen im Heiligen Land aber auch im heutigen Griechenland. Damit waren die Vasallen zu gewissen Abgaben und Arbeiten für ihren Lehnsherrn verpflichtet, der sie dafür beschützen sollte. Das allein reicht aber natürlich nicht für große Bauunternehmungen, für die man auch qualifizierte Facharbeiter benötigt. Während das lateinische Kaiserreich Konstantinopel von Anfang an unter akuter Geldnot litt, ging es den Fürstentümern in Griechenland wirtschaftlich weit besser. Sie waren intensiv in die florierenden Handelsnetzwerke eingebunden und exportierten ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse (Olivenöl, Wein etc.) auch in den Westen. Im Vergleich mit den letzten Jahren der byzantinischen Herrschaft gab es zweifellos in manchen Gebieten einen Wirtschaftsaufschwung, was aber weniger an einer "Verknöcherung" der byzantinischen Wirtschaft zu tun hat als mit einer Reihe von Krisen, die das Reich seit ca. 1180 erschüttert hatten.

Mein Besuch

0 Einträge Eintrag

Voraussichtliche Besuchszeit

Liste senden