Welchen Einfluss hatte Byzanz auf die westliche Musik und deren Musikinstrumente?

Martin

Wissenswertes

Byzanz hat tatsächlich auf die Musik im Westen großen Einfluss geübt. Hierbei sollte man sich vor Augen führen, dass Rom etwa bis zur Mitte des 8. Jh. zum byzantinischen Kaiserreich gehörte. Zudem wurden im 7. und 8. Jh. mehrere Syrer oder Griechen zum Papst gewählt. In dieser Zeit wurden mehrere Traditionen aus Byzanz bei Feierlichkeiten im Westen übernommen, so zum Beispiel das Fest der Purificatio (Mariä Lichtmess) oder Gesänge des Agnus Dei. Die byzantinische Musik beeinflusste auch die Karolingerzeit. 757 schenkte Kaiser Konstantin V. Kopronymos (reg. 741 – 775) dem karolingischen König Pippin (reg. 751 – 768) eine Orgel. Im Jahr 812 brachte eine byzantinische Gesandtschaft, die nach Aachen an den Hof Karls des Großen (reg. 768 – 814) gereist war, erneut eine byzantinische Orgel mit. Anderen Quellen zufolge veranlasste Karl der Große, dass griechische Gesänge ins Lateinische übersetzt und in die Liturgie aufgenommen wurden. Auch die Lehre der zwölf Tonarten und deren Intonationsformeln hätte der Westen von Byzanz übernommen. Detaillierte Vergleiche zwischen lateinischen und paläobyzantinischen Neumen erbrachten jüngst den Nachweis, dass Rom die Choralnotation, die nota romana, von den Byzantinern übernommen hat. Diese Deutung erzwingen auch die folgenden Gegebenheiten: Die gebräuchlichen Namen der lateinischen Neumen und Litterae significativae haben sich zum Großteil als Lehnwörter oder Lehnübersetzungen aus dem Mittelgriechischen erwiesen. Die lateinische und die paläobyzantinische Neumenschrift haben fast den gleichen Bestand an „Grundneumen“. Die korrespondierenden lateinischen und paläobyzantinischen Neumen besitzen in den meisten Fällen die gleiche oder eine ähnliche melodische und rhythmische Bedeutung. Zu vermerken ist schließlich, dass zwischen dem Gregorianischen Choral und der byzantinischen Kirchenmusik eine erstaunlich breite Gemeinschaft an Figuren, Tonformeln und Phasen besteht.

(nach: Metzler Sachlexikon Musik, auf der Grundlage des von Günter Massenkeil hrsg. Großen Lexikons der Musik (1978-82 / 1987); red. Bearbeitung durch Ralf Noltensmeier. Stuttgart, u.a.: Metzler, 1998, s. r. „Byzantinische Musik und Musik der Westkirche“)

 

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