Bei der "Entschlafung Mariens" wird die Seele er verstorbenen Maria als kleines Baby dargestellt. Lässt sich da ein Transfer dieses Motives nachweisen, oder eine gemeinsame Wurzel der östlichen und westlichen Darstellungen?

Gisela Egelkraut

Wissenswertes

Man kann in gewisser Hinsicht bei einigen Bildmotiven tatsächlich Rückschlüsse auf einen Kulturtransfer ziehen. Die Darstellung des Marientodes (Koimesis) steht beispielhaft für die Übernahme byzantinischer Motive in das westliche Bildrepertoire. Vermittelt über Elfenbeinreliefs, hatte der Bildtypus der Koimesis kurz nach der ersten Jahrtausendwende Eingang in das Repertoire des Reichenauer Skriptoriums gefunden und war über die dort ausgestatteten liturgischen Handschriften in verschiedenen Reichsklöstern oder Kirchenschätzen bekannt geworden. Mit jeweils individueller inhaltlicher Akzentuierung verbreitete es sich schnell im Westen. Inwiefern die Koimesis-Darstellung auch die Ikonographie anderer Heiligendarstellungen beinflusst hat, kann aber nicht im Detail rekonstruiert werden. Einflüsse wird es wohl gegeben haben.
Auch das Figurenmotiv der Maria Hodegetria, das die Gottesmutter mit dem Christusknaben auf ihrem linken Arm zeigt und dessen Bezeichnung auf ein verehrtes Bild in einem Konstantinopeler Kloster zurückgeht, wurde wohl über Elfenbeinreliefs aus Byzanz in den Westen vermittelt.
Das 724 gegründete Benediktinerkloster auf der Bodenseeinsel Reichenau entwickelte sich im Lauf des 10. und 11. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten Zentren der Buchkunst. Die dort entstandenen Werke wurden auch für andere Klöster und Kirchen angefertigt, ihr Stil wurde in der Folge andernorts rezipiert und transformiert.

Mein Besuch

0 Einträge Eintrag

Voraussichtliche Besuchszeit

Liste senden