Auf einem prunkvollen goldenen Evangeliar findet sich unten der Schriftzug: SCA MENNA. Gab es eine hl. Menna oder ist das wohl ein Irrtum, und es war der hl. Menas gemeint?

Gisela Egelkraut

Ausstellung

Sie haben sich das prunkvolle Evangeliar von Poussay sehr genau angesehen. Die Elfenbeintafel, die den Buchdeckel des Evangeliars von Poussay schmückt, ist eines von zahlreichen Beispielen für die halbfigurige Hodegetria-Darstellung auf der Mitteltafel eines Triptychons. Der bekannte, auf das Konstantinopeler Gnadenbild zurückgehende Bildtypus variiert allenfalls geringfügig in der Figurenhaltung und Gestik oder in der Ausführung. Hier fällt das feine, jugendliche Anlitz Mariens auf. 
Das stoffreiche Gewand hingegen, das virtuos in vielen feinen Falten herabfällt, erweckt einen matronenhaften Eindruck. Die Figurengruppe wird von einem auf zwei seitlichen Säulen ruhenden Bogen überfangen, der einen Baldachin als Hoheitsarchitektur andeutet. Der mit vergoldeter Silbertreibarbeit und Edelsteinen verzierte Rahmen zeigt neben dem thronenden Christus Heiligenfiguren, die in Beziehung zur Abtei Poussay stehen. Dort wurde das Elfenbeinrelief wohl im dritten Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts anlässlich der Abteigründung ausgewählt, um die zirka 990 ausgestattete Reichenauer Handschrift zu schmücken.
Die rechte Figur neben dem Elfenbeinrelief ist eine Abbildung des Hl. Andreas. Ihm gegenüber auf der linken Seite, ist der Hl. Petrus zu sehen. Gegenüber des thronenden Christus findet sich eine Darstellung der Hl. Menna. (franz. Menne) Die Hl. Menna wird in der Gegend von Lothringen sehr verehrt. Sie lebte als Nonne zur Zeit des Kaisers Flavius Claudius Iulianus (reg. 360 - 363), dessen strikte Politik zu einigen heftigen Übergriffen auf Christen führte. Menna soll im Zuge eines solchen Übergriffes den Märtyrertod gestorben sein. Im deutschsprachigen Raum ist sie eher unbekannt. Ihr Todestag war der 3. Oktober 362, aber ihr Gedenktag wurde auf 15. Mai verschoben, weil ihre Gebeine an einem 15. Mai der Abtei von Poussay übergeben worden sein sollen.
Den Irrtum, den Sie aber ansprechen, haben aber auch einige Gelehrte im 19./ 20. Jh. angenommen. So stand auch die Theorie im Raum, dass aus dem Hl. Menas in der Heiligenvererhrung im Westen eine Frau gemacht wurde, weil man die griechische Endung nicht als Maskulinendung identifizierte und daher aus Menas eine Heilige Menna wurde. Allerdings gibt es im römischen Pantheon auch die Göttin Mena, wovon sich der Name der Heiligen ableiten könnte.

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