Hat das heutige Rumänien damals eine Rolle im byzantinischen Reich gespielt, wenn ja welche?

Mathias Krahofer

Geschichte

Die Gebiete des heutigen Rumäniens, insbesondere die Regionen Walachei und Moldau, waren nie unmittelbare Herrschaftsgebiete des Byzantinischen Reiches, standen allerdings in engeren Beziehungen zur Reichsgrenze an der unteren Donau. Als sich im 14. Jh. die regionalen Fürstentümer Walachei und Moldau herausbildeten, hatte Byzanz allerdings an der Donau keine reale politische Macht mehr; wirksam war Konstantinopel jedoch immer noch als kirchliches Zentrum der Orthodoxie. Dementsprechend wandten sich die Fürsten der Walachei (1359) und dann der Moldau (1381) an Kaiser und Patriarch in Konstantinopel mit der Bitte, eigene Bistümer für ihre Herrschaftsbereiche einzurichten. Es entstanden die Metropolitansitze Ungroblachia bzw. Moldoblachia (wie sie in den byzantinisch-griechischen Dokumenten dieser Zeit genannt werden, die sich u. a. im sogenannten Patriarchatsregister von Konstantinopel erhalten haben, das heute in zwei Handschriften in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt wird); sie bilden den Beginn der heutigen rumänisch-orthodoxen Kirche.

Kurz danach mussten die „Donaufürstentümer“ Walachei und Moldau die Oberhoheit der osmanischen Sultane anerkennen und Tribut und Heerfolge leisten, wurden allerdings (im Gegensatz zu Konstantinopel) nie als Provinzen vollständig in das Osmanische Reich eingegliedert. Allerdings nahmen die Sultane ab dem 17. Jh. großen Einfluss auf die Wahl der Fürsten für diese Länder und ließen Kandidaten um diese Würden entsprechend hohe Gelder im Gegenzug für die Ernennung entrichten. Zu jenen reichen Familien, die sich an diesen Geschäften beteiligten, gehörte auch das griechische Geschlecht der Cantacuzino, das sich seit dem späten 16. Jh. im Umfeld des Patriarchen von Konstantinopel nachweisen lässt. Sie behaupteten, direkte Nachkommen der berühmten byzantinischen Kantakuzenoi zu sein, was sich allerdings nicht stichhaltig beweisen lässt. Dennoch profitierten sie von dem mit diesem Namen verbundenen Prestige auch bei ihrem Werben um die Fürstenwürden in der Walachei und in der Moldau.

Zu den wichtigsten Vertretern gehörten u. a. Dumitrașcu Cantacuzino, der zwischen 1673 und 1685 (mit zweifacher Unterbrechung) in Moldau regierte, sowie Șerban I. Cantacuzino, der 1678 bis 1688 Woiwode der Walachei war und sich in dieser Funktion auch an der zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 beteiligen musste. Daran erinnert seit 1983 auch seine Büste, die beim sogenannten Moldauer Kreuz am Gatterhölzl in Wien-Meidling von der rumänischen Gemeinde errichtet wurde. Trotz der späteren Verlusts der Fürstenwürden blieben die Cantacuzini wichtige Mitglieder des rumänischen Adels und spielten bis zum Ende der Monarchie in Rumänien 1947 und des Beginns des kommunistischen Regimes im Land eine bedeutende Rolle. Eine direkte Verbindung zu den byzantinischen Kantakuzenoi lässt sich aber, wie erwähnt, nicht nachweisen.

Literaturhinweis: D. Nicol, The Byzantine Family of Kantakouzenos (Cantacuzenus), ca. 1100–1460: A Genealogical and Prosopographical Study. Washington, D.C. 1968 (auch zur problematischen genealogischen Verbindung zu den “rumänischen” Cantacuzeni). https://de.wikipedia.org/wiki/Gatterh%C3%B6lzl#Moldauer_Kreuz_und_B%C3%BCste_von_F%C3%BCrst_%C8%98erban_I._Cantacuzino (Wikipedia-Eintrag zum Moldauer Kreuz in Wien-Meidling, mit Abbildung der Büste des Fürsten Șerban I. Cantacuzino)

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