Warum ist im Solidus des Theudebert das Portrait mit einem Pfeil von links unten nach rechts oben geprägt?

Anonym

Ausstellung

Bei genauerer Betrachtung lässt sich dieser vermeintliche Pfeil, den Sie ansprechen, als Speer erkennen.

Der Soldidus, der in der Ausstellung zu sehen ist, zeigt eine Büste des Theudebert mit Helm, geschultertem Speer und Schild (darauf Jagdszene) in Dreiviertelansicht. In der Vorderansicht ist die Siegesgöttin Victoria bzw. ein Engel stehend dargestellt; sie / er hält einen Kreuzstab in der Rechten und einen Kreuzglobus in der Linken.
In den germanischen Königreichen wurde das spätrömische Münzwesen beinahe unverändert beibehalten: Man prägte Goldmünzen mit standardisierter Kaiserbüste und aktueller Kaisertitulatur über Jahrzehnte bis ins kleinste Detail nach. Der Wendepunkt in dieser Phase der Imitatio kam erst, als Austrasiens fränkischer König Theudebert (reg. 533–548) und dessen Nachfolger Goldmünzen, die bis dahin dem Kaiser vorbehalten gewesen waren, auf ihren eigenen Namen zu prägen begannen. Das muss hohe Wellen geschlagen haben. So berichtete der byzantinische Historiker Prokop („Gotenkriege“, III,33), die Frankenkönige würden „aus gallischem Gold eine Münze“ prägen, „welche nicht, wie es sich gehört, das Bildnis des Kaisers, sondern ihr eigenes zeigt“. Tatsächlich übernahm Theudebert das traditionelle Kaiserbildnis in Dreiviertelansicht, das nach Anpassung der Umschrift nun als seine eigene Büste wahrgenommen werden sollte. Diese Münzen lassen somit das Ausmaß der Selbstbehauptung und den Umfang der Macht erahnen, die die fränkischen Herrscher für sich beanspruchten.

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