Was geschah mit den (griechischen) Einwohnern Konstantinopels nach 1453?

Sevi

Geschichte

Die Eroberung Konstantinopels war für Mehmed II. „Fetih“ („Eroberer“) ein symbolischer Sieg sondergleichen. Lange Zeit hatte die Stadt zu den größten urbanen Zentren Europas gezählt. Kostantiniyye, so ihr unter den Osmanen gebräuchlicher arabischer Name, wurde islamisiert und erlebte als neue Hauptstadt des aufstrebenden Reiches einen ungeheuren Aufschwung. Byzantinische Traditionen prägten das Stadtbild aber auch weiterhin. Die Hagia Sophia war für Mehmed ein Symbol des Triumphes. Er ritt in die Kirche ein, ließ sie zur Moschee weihen und mit Minaretten versehen. Mehr noch wurde die einst größte Kirche der Christenheit gar zum zentralen Vorbild für den Bau großer Moscheen. Das prominenteste Beispiel dafür ist die „Blaue Moschee“, die unweit ihres Vorbilds errichtet wurde. Infolge der Säkularisierung der Türkei unter Mustafa Kemal „Atatürk“ („Vater der Türken“) wurde die Hagia Sophia zu einem musealen Gebäude. Erst in jüngster Zeit sind wieder verstärkt Rufe zu vernehmen, sie in den Zustand einer Moschee zurückzuversetzen. Mehmed II. nahm nach der Eroberung auch den Titel eines „Kaisers der Römer“ in Anspruch und stellte sich damit in die römische Tradition. Ihren Palast errichteten die Sultane dort, wo schon Konstantin der Große seine ersten Paläste hatte bauen lassen. Noch heute prägen die Überreste byzantinischer Bauten das Stadtbild, allen voran die imposante Stadtmauer. Seit 1930 trägt die Stadt offiziell den schon zuvor gebräuchlichen Namen Istanbul – und selbst dieser ist vermutlich byzantinischgriechischen Ursprungs: is tin Polin bedeutet nichts anderes als „in die Stadt hinein“ – gemeint ist Konstantinopel. Und die Menschen? Viele Bewohner Konstantinopels müssen im Zuge der Eroberung durch die Osmanen ihr Leben verloren haben. Die Stadt war schon ab dem 14. Jahrhundert stark entvölkert. Der Sultan versuchte sie kurzfristig mit christlicher Bevölkerung aus dem Umland, aus Zentralgriechenland und der Peloponnes aufzufüllen, langfristig aber vor allem mit muslimischer Bevölkerung. Die Christen wurden rasch zur Minderheit, wenngleich sie ihren Glauben ausüben durften. Schon ein Jahr nach der Eroberung ließ Mehmed II. sogar wieder einen orthodoxen Patriarchen bestellen. 

Bereits im 14. Jahrhundert hatte jedoch eine Auswanderungsbewegung von „Griechen“ begonnen. Sie setzte sich über Jahrhunderte fort und sollte zur Gründung großer griechischer Gemeinden im Ausland führen, die vor allem im Orienthandel tätig waren: Die ersten entstanden im Spätmittelalter in den italienischen Metropolen Venedig, Rom und Florenz; später kamen große Gemeinden in anderen europäischen Städten wie Paris oder Wien hinzu.

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