Wie wurden die Seidenstoffe damals hergestellt und wie entstand das Muster? (gewebte farbige Fäden oder Bedrucken der Seidenstoffe?).

Rainer Petrnousek

Handel

Die Ursprünge der Seidenherstellung in Byzanz sind im kaiserzeitlichen Syrien und in Persien zu finden.
Seide wurde zunächst importiert, doch gelangten der Überlieferung nach um die Mitte des 6. Jahrhunderts durch zwei Mönche Seidenraupen in ihren ausgehöhlten Wanderstöcken nach Byzanz. Auf deren Ausfuhr aus Asien stand die Todesstrafe, dennoch wurde dadurch der Grundstein für die Entwicklung der europäischen Seidenindustrie gelegt. Es wurden Maulbeerbaumplantagen angelegt, anfangs in der Levante, in mittelbyzantinischer Zeit in Süditalien, Griechenland und vermutlich auch in Kleinasien. Byzanz hat in Folge das Geheimnis der Seidenherstellung streng gehütet und so seine Monopolstellung in Europa Jahrhunderte lang halten können. Da im Oströmischen Reich die antike Handwerkstradition nicht unterbrochen wurde, bewahrte die byzantinische Textilindustrie ein hohes technisches und künstlerisches Niveau. Sie war zugleich der wichtigste Zweig der antiken Wirtschaft. Die Seidenmanufaktur erreichte während der Zeit der makedonischen Kaiser ihren Höhepunkt. Die immense Wichtigkeit der Textilindustrie ist im Eparchenbuch dargelegt. Es sind viele Informationen seitens der Organisation der Seidenindustrie von Konstantinopel überliefert. Im 10. Jahrhundert waren zwei grundlegende Zünfte in die Herstellung von Seidentextilien involviert. Die erste Zunft waren die metaxopratai, welche die Kokons bzw. die Rohseide kartellrechtlich kauften. Diese verkauften sie ihrerseits an die Zunft der katartarioi, die sie weiterverarbeiteten; das Seidengarn kauften die metaxopratai anschließend von den katartarioi zurück, um es schließlich an die metaxarioi weiter zu verkaufen. Letztere bildeten die zweite und wichtigste Zunft, da sie die Seide färbten, webten und schnitten. Sie waren für den lukrativsten Teil des Produktionsprozesses verantwortlich und diejenigen, die die größten Investitionen notwendig hatten. Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, dass die Mitglieder der Aristokratie Konstantinopels in diesen Teil des Prozesses investierten, aber es kann in diesem Fall nicht von einem Monopol die Rede sein. Die Nachfrage nach seidenen Stoffen war hoch, da eine Reihe von verschiedenen Sorten der Seide existierte. So war Sidon die Bezeichnung für einen Seidenstoff aus dem Kleidung und Futter genäht wurde. Die hochwertigste Seide, in einem Purpur Farbton, oft mit dem teuren porphyra gefärbt –  aus der Muschel murex extrahiert –  war lange Zeit auf die Bedürfnisse des kaiserlichen Hofes beschränkt.
Die Seidenmanufaktur der byzantinischen Hofwerkstätten mit ihren charakteristischen Mustern erreichte eine Perfektion, die weltweit gerühmt wurde. In die ohnehin meist schweren und steifen Seidenstoffe wurden Gold und Purpurfäden eingelegt, andere Gewänder wurden mit Stickereien verziert.
Auch Webmuster, die in spätrömischer Zeit noch Ausnahmen waren, wurden immer beliebter und trugen dazu bei, dass die Kleidung in Byzanz ein orientalisches Gepräge erhielt. Eingewebte Muster mit Tieren können v.a. Löwen, Bären, Panther, Stiere, Pferde mit Reiter, Elefanten, Adler, Greife oder Phantasiewesen, aber auch Vögel und Blumen sein.
Olovere heißen in Serbien die Purpurstoffe, die mit Löwenmuster verziert wurden. Die Motive und die Art der Darstellung kombinieren persische und hellenistische Formen. Diese werden oft in juwelenbesetzte Kreise eingeschrieben oder wappensymmetrisch komponiert. Die Seidenstoffe der kaiserlichen Werkstätten erhalten darüber hinaus die Signatur des Kaisers als Inschrift eingewebt. Außerdem gab es auch private Ateliers der Seidenweberei, möglicherweise auch in Klöstern, wo einfachere Muster hergestellt wurden.
Archäologische Befunde sowohl für die Textilverarbeitung als auch die Textilfärberei sind in Cherson, Lykien, Theben und Athen entdeckt worden. Überdies wurde eine Färberei in Sardes freigelegt.

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