Haben die Byzantiner die perspektivische Darstellung entwickelt und der Westen es bis heute als seine Errungenschaft propagiert?

Peter Haselmayer

Wissenswertes

Die Perspektive ist ein konstruierendes Darstellungsmittel. Es wurde von Künstlern der Renaissance  (1400 - ca. 1620) entwickelt. Die Menschen entwickelten ein neues Selbstverständnis und ein neues Weltbild, mit dem sie eine neue Realitätssicht entwickelt haben. Dadurch wurden das mittelalterliche Denken und starre Konventionen durchbrochen. Die Kunstwerke des Mittelalters waren neben einer flächigen Darstellung auch von figürlicher Starrheit geprägt. Mit der byzantinischen Ikonographie hatten sich gewisse starre Normen in der europäischen Kunst etabliert. Zwar waren die Künstler in der Beobachtung der Natur sehr geschult, allein fehlte ihnen das mathematische Verständnis das Gesehene in eine räumlich konstruierte Perspektive zu übertragen.
Die italienische Renaissance brachte viele Künstler hervor, die in dieser Hinsicht ihren nördlichen und südlichen Kollegen einige Jahre voraus waren. Als Erfinder perspektivischer Konstruktionsmethoden gilt der Baumeister und Bildhauer Filippo Brunelleschi aus Florenz (1377 - 1446). Nördlich der Alpen war Albrecht Dürer (1471 - 1528) einer der ersten Maler, der die Konstruktion der Perspektive für sich entdeckt hatte.
Allerdings kann man bereits bei einigen illusionistischen Wandmalereien im alten Rom von einer perspektivischen Darstellungsweise sprechen. Die Byzantiner haben die antike Darstellungsweise von (beobachteten) plastischen Körpern übernommen, was sich insbesondere in der byzantinischen Mosaikkunst manifestiert hat. Der Westen war von der byzantinischen christlichen Licht-Metaphysik insofern beeinflusst, als dass dort rein flächigen Darstellungsweisen und damit verbunden starre Konventionen vorherrschten. Daher führte der Verlust jeglicher Räumlichkeit zur prinzipiellen Vereinheitlichung von Figur und Grund. Aber es ist auf jeden Fall sicherer zu behaupten, die perspektivische Darstellung ist in ihrer vollen Ausprägung erst in der Renaissance entstanden, als bereits schon in der Antike.
Die byzantinische Architektur hat ebenso einige Neuerungen mit sich gebracht. Das System des Zentralbaus hat in Byzanz eine entscheidende Rolle gespielt und hat von dort aus die orthodoxen Balkanländer und weite Teile Russlands erobert. In kleineren Kirchenbauten ist die byzantinische Zentralbauweise im Mittelalter auch nach dem Westen vorgedrungen.


 

Mein Besuch

0 Einträge Eintrag

Voraussichtliche Besuchszeit

Liste senden