Warum ist das Weströmische Reich militärisch so schnell zusammengebrochen?

Herbert Gammel

Geschichte & Politik

Im Jahr 395 wurde das gemeinsame Römische Reich (West- und Ostrom) von zwei gleichberechtigten Kaisern regiert. Im Osten beschlossene Gesetze galten auch im Westen und vice versa. Grundsätzlich kooperierten die beiden Höfe, auch wenn bisweilen Konkurrenzgedanken ufkamen. Grundlegend änderte sich die Situation erst im Jahre 476, als der letzte weströmische Kaiser Romulus „Augustulus“ vom skirischen (oder thüringischen) Heerführer Odoaker abgesetzt wurde. Germanische Generäle in römischen Diensten hatten eben schon längere Zeit die Fäden der Politik in der Hand gehabt, doch nun wurde die Herrschaft ganz formell übernommen. Schon Romulus „Augustulus“ war von Konstantinopel nicht mehr anerkannt worden, weil sein Thron eigentlich Julius Nepos zustand. Odoaker setzte dem System des Kaiserkollegiums nun ein Ende und gab sich mit dem Titel eines Königs von Italien (rex Italiae) zufrieden. Damit stellte er sich klar unter den in Konstantinopel regierenden Kaiser (augustus) Zenon, von dem er schlussendlich auch anerkannt wurde. Für die Zeitgenossen hieß das, dass die Herrschaft über das Gesamtreich wieder einem einzigen Kaiser zugefallen war, und zwar jenem, der in Konstantinopel regierte. Dass dieser keinen realen Zugriff auf die westlichen Provinzen hatte, spielte dabei ideologisch gesehen (noch) keine Rolle. Man ging zunächst wohl auch nicht davon aus, dass die römische Herrschaft nicht mehr wiederhergestellt werden könnte.

Wenn man die Gründe sucht, die zum Untergang des Weströmischen Reiches geführt haben, fallen einige Erscheinungen auf, die das Problem zumindest annähernd erklären. Einige Historiker meinen, in der Aufnahme von Nichtrömern in die Verwaltung und von nicht-römischen Heerverbänden in die römische Armee einen deutlichen Hinweis auf den Niedergang des Römischen Reiches entdeckt zu haben. Zunächst bietet sich der Rückgang der Bevölkerung als Erklärung dafür an. Der römische Staat war aufgrund seines Personalmangels darauf angewiesen, andere Bevölkerungsgruppen an der Macht zu beteiligen. Hierfür scheinen vor allem ein Geburtenrückgang, die zahlreichen äußeren und inneren Kriege, Krankheiten und Seuchen verantwortlich gewesen zu sein.

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