When did the organ find its way into the church? Is there a document that tells us about the first church with an organ? Where is the oldest organ in a church? Which church? Where is the oldest functioning organ in a church? Which church?

Aniljeet Baxi

Wissenswertes

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Byzanz wurden Orgeln ausschließlich bei weltlichen Zeremonien und Veranstaltungen verwendet. Die akustische Repräsentanz des Kaiserhauses verlangte nach elaborierten Instrumenten von großer Lautstärke, so dass Erscheinen oder der Abgang der Herrscher entsprechend angekündigt und/oder untermalt werden konnten. Ab der Mitte des 8. Jahrhunderts begann Rom, Botschafter an den Fränkischen Hof zu entsenden und ebenso erfolgte dies umgekehrt. Während des 9. Jahrhunderts dann wurde das Amt eines römischen Repräsentanten am Aachener Hof sogar zu einer festen Institution. Die Franken waren von Rom und seinem elaborierten Hofzeremoniell, dessen Vorbild wiederum auf Byzanz fußte, fasziniert. Man tauschte Geschenke aus und die römische Gesangstradition sowie das entsprechende musikalische Repertoire wurden allmählich vom fränkischen Hof adaptiert. Im 8. Jahrhundert vollzog Rom eine geostrategische Neuausrichtung weg vom schwächelnden Byzanz, hin zum Frankenreich. Gleichwohl wurden zwischen Konstantinopel und den Franken häufig Gesandtschaften ausgetauscht. Auf diesem Weg gelangte u. a. eine Orgel als besonders kostbares und seltenes Geschenk in den Westen. Diese sollte nicht nur Eindruck schinden, sondern galt als ein Majestätssymbol, welches bisher noch an keinen westlichen Herrscher ergangen war.

Dieses Diplomatengeschenk erfolgte im Jahre 757 durch den byzantinischen Kaiser Konstantin Kopronymos (reg. 741–775) an den Frankenkönig Pippin den Jüngeren (reg. 751–768). Im Jahr 826 hat nachfolgend dann ein Geistlicher aus Venedig mit vermutlich byzantinischen Wurzeln eine „Orgel nach Art der Griechen“ im Auftrag Ludwigs des Frommen (reg. 813/14–840) in Aachen gebaut. Neben den Erwähnungen dieses Orgelbaus in mehreren Chroniken, gibt es noch einige dichterische Zeugnisse für Orgelbau in Aachen unter Kaiser Ludwig. Die zwei dichterischen Quellen (Ermoldus und Walahfrid) betonen ausdrücklich den Stolz der Byzantiner auf ihre Orgeln. Somit trug der Erwerb einer Orgel für den Aachener Hof zur Steigerung des Prestiges des Westens bei.                                                

Der Besitz eines solchen Musikinstrumentes wurde als ein Zeichen von Macht, Größe und Reichtums angesehen. Ihre anschließende, zunehmende Verbreitung in Kirchen und Klöstern bewirkte dort die Entstehung einer Tradition der allgemeinen Verwendung von Orgeln.                                                              

Einige Forscher sehen den Ansatz der Einbeziehung der Orgel in die Liturgie in den gelegentlichen Aufführungen von Hofmusik in der Hofkirche bzw. die Übertragung des Privilegs dieser Musik auf Bischöfe und Kathedralen. Mitte des 10. Jahrhunderts finden sich erstmals Textstellen, die auf eine Verwendung der Orgel innerhalb der Liturgie schließen lassen. Diese beschränkte sich zunächst auf hohe Festtage und wahrscheinlich auch zur Begleitung beim Vorlesen ausgewählter kirchlicher Schriften. Darin wäre die "früheste Orgel" im Westen enthalten. Wo diese aber genau aufgestellt war, wissen wir nicht. Vermutlich in der kaiserlichen Residenz. Leider ist gerade die erste Frage unglaublich strittig und wird in der Forschung "heiß" diskutiert. Hier seien insbesondere Instrumente aus Skandinavien genannt, wie z. B. in Norrlanda (um 1280) und Sundre (um 1370). Von den beiden Orgeln haben sich u. a. die Gehäuse aus Kiefernholz und die Windlade aus Eiche erhalten. In der Nicolaikirche in Utrecht (Niederlande) ist beispielsweise eine mittelalterliche Blockwerkslade noch erhalten. Eine weitere Orgel, die etwa um 1435 erbaut wurde, ist in der Basilique de Valère in Sion (Schweiz) (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Orgel_der_Basilique_de_Val%C3%A8re)  zu sehen. Sie zählt neben den Instrumenten in Rysum (Deutschland), Kiedrich (Deutschland), Ostönnen (Deutschland) und der Epistel-Orgel in San Petronio zu Bologna (Italien) zu den ältesten spielbaren Orgeln der Welt. Insbesondere die Orgel von St. Andreas ist hier von Interesse, da das Holz ihrer Windladen eine Datierung derselben zwischen 1425 und 1431 zulässt. Viele der über 300 erhaltenen Pfeifen scheinen zudem vor 1500 gefertigt zu sein. Weiterhin existieren Fragmente einer Kleinorgel aus Greifswald (Deutschland), die bei einer archäologischen Grabung im östlichen Marktquatier der Hansestadt gefunden. Gefunden wurden Teile der Windlade aus Holz und Leder aus dem 14. Jh. n. Chr. Die Fragmente der Greifswalder Kleinorgel sind leider recht spärlich, aber geben dennoch einige Hinweise. Gefunden wurden Teile der Windlade aus Holz und Leder, die in das 14. Jh. n. Chr. datieren.

Auch aus der Antike gibt es Funde von Orgeln. Hier sind die Funde dreier Orgeln aus in Aquincum (Budapest / HU), in Aventicum (Avenches/ CH) (vgl. http://www.aquincum.hu/en/muzeumtori/az-aquincumi-kutatas-jeles-kepviseloinek-eletrajza/) und in Dion / GR besonders erwähnenswert.

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