Gibt es geschätzte Bevölkerungszahlen für Konstantinopel, die die Entwicklung der Stadt über die Jahrhunderte einfach nachvollziehbar machen? Anhand welcher Informationen wird die Einwohnerzahl von Städten geschätzt?

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Nach seiner Neugründung durch Kaiser Konstantin den Großen im Jahr 324 erlebte Konstantinopel in den nächsten zwei Jahrhunderten ein starkes Bevölkerungswachstum und erreichte in der Regierungszeit Kaiser Justinians I. um das Jahr 540 eine Einwohnerzahl von vermutlich 500 000 Menschen. Für diese Zeit besitzen wir Informationen über den Umfang der jährlichen Getreidelieferungen aus Ägypten, die für die Versorgung der Hauptstadt notwendig waren, und auf dieser Grundlage lässt sich eine solche Schätzung anstellen. Kurz danach suchte allerdings eine Pestepidemie Konstantinopel heim, die in Wellen bis Mitte des 8. Jahrhunderts wiederkehrte; diese Seuchenausbrüche trugen gemeinsam mit der sonstigen Schrumpfung des Reiches zu einem Rückgang der Einwohnerzahl auf vermutlich unter 100 000 Menschen bei. Danach erholte sich die Bevölkerungszahl bis zum 12. Jahrhundert erneut, sodass je nach Schätzung wieder 200 000 oder sogar 400 000 Menschen dort lebten. Mangels statistischer Daten basieren solche Schätzungen unter anderem auf Informationen zu Bevölkerungsdichten anderer Städte aus der Zeit vor der Industrialisierung, die auf die Fläche Konstantinopels (14 km²) hochgerechnet werden. Die Eroberung durch den Vierten Kreuzzug 1204 markierte auch einen erneuten Bevölkerungseinbruch, von dem sich Konstantinopel bis zur osmanischen Eroberung 1453 nicht mehr erholte; damals mag die Stadt noch um die 50 000 Einwohner beherbergt haben, wenn wir von der überlieferten Zahl der waffenfähigen Verteidiger ausgehen. Erst unter den osmanischen Sultanen wurde Konstantinopel im 16. Jahrhundert wieder zu einer „Millionenstadt“.

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