Wie viele Einwohner hatte Konstantinopel um das Jahr 1200? Wie viele Einwohner hatte Rom im Vergleich um das Jahr 1200?

Lorena & Ludwig

Geschichte

Konstantinopel / Istanbul: Die erste Stadtmauer Konstantinopels schützte ein Areal von etwa 7 km²; am Beginn des 5. Jahrhunderts wurde sie durch eine zweite, teilweise bis heute erhaltene ersetzt. Dadurch wurde das befestige Stadtareal auf 12,7 km² und nach späteren Ausbauten auf knapp 14 km² erweitert.

Für die Bevölkerung Konstantinopels gibt es vor der Eroberung 1453 keine Quellenaussagen. Seriöse Schätzungen beruhen auf punktuellen Quellenangaben zu einzelnen Bevölkerungsschichten (stark schwankende Militärpräsenz, Zahl der Mönche und Nonnen einzelner Klöster, …) und auf den damaligen Versorgungsmöglichkeiten: Länge und Gefahren der Transportwege zu Land und vorzugsweise zur See; dazu geringe Haltbarkeitsgrenzen bestimmter Lebensmittel (besonders Gemüse), die im Umland produziert werden müssen, wofür im Nahbereich von Konstantinopel nach dem 6. Jahrhundert innerhalb der Landmauern etwa 3km2 und außerhalb im Nahbereich etwa weitere 10 km2 zur Verfügung standen; Nahbereich: Wegstrecke vom Produzenten zu den zentral gelegenen Märkten maximal 2 Stunden.

Konstantinopel hatte vor 541/542, also vor der sogenannten „justinianischen“ Pest, die den gesamten östlichen Mittelmeerraum verheerte und in schwächeren Schüben bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts wiederkehrte, wahrscheinlich mehr als 400.000, vielleicht sogar 500.000 Einwohner. Nach einer Erholungsphase lag die Zahl ab/nach dem späten 8. Jahrhundert meist deutlich über 100.000, erreichte wahrscheinlich im 11. und 12. Jahrhundert 200.000. Höhere Zahlen erscheinen nicht vertretbar.

Somit war Konstantinopel seit dem 5. Jahrhundert jedenfalls – aus vorindustrieller städtehistorischer Sicht –  ununterbrochen eine Großstadt.

Was die Bevölkerungszahlen Roms betrifft, so muss zu Beginn festgehalten werden, dass es auch hier keine genauen Zahlen gibt. Im 4. Jh. wird für Rom schätzungsweise eine Einwohnerzahl von 500.000 Personen angenommen. Der frühbyzantinische Historiker Prokopios von Caesarea berichtet, dass durch die Gotenkriege nur noch 500 Männer in Rom übriggeblieben sein sollen. Man kann aber davon ausgehen, dass diese Zahl nicht der Wahrheit entspricht. Zur Zeit Papst Gregors des Großen im 6. Jh. /7. Jh. soll Roms Bevölkerungszahl erneut auf 90.000 Menschen angewachsen sein, weil Flüchtlinge aus dem Umland von den Langobarden in die Stadt getrieben wurden. Mit dem Zusammenbruch der städtischen Versorgung im 7. Jh. ging ebenso ein Bevölkerungsschwund einher. Unter Papst Hadrian I. im 8. Jh. wuchs die Bevölkerung Roms wieder an. Allerdings brach das Wohlfahrts- und Versorgungswesen der Stadt im 9. Jh. erneut zusammen. Die politischen Umstände im 10. Jh. sollen ebenfalls einen Bevölkerungsrückgang herbeigeführt haben. Im Jahr 1167 verzeichnet ein Chronist 20.000 Malariatote in Rom. Tatsächlich dürfte diese Zahl aber auch übertrieben formuliert sein. Realistische Schätzungen der Einwohnerzahl Roms könnten im 12. und 13. Jh. also bei 35.000 bis 40.000 Personen - wenn nicht etwas höher - liegen.

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