Kann es sein, dass Machiavellis Art des Denkens auch von der byzantinischen Staatsphilosophie und der Diplomatiekunst inspiriert war, und gibt es zu diesem Thema ein prominentes Handbuch (z.B. Ratgeber für die Herrscher) aus der byzantinischen Zeit?

Kohki Totsuka

Geschichte

Die Staatskunst der Byzantiner ist zu einem guten Teil ein Erbe des Römisches Reiches, dessen Bürokratie und diplomatischer Apparat bereits hoch entwickelt gewesen waren. Macchiavelli bezieht sich in seinen Schriften stets primär auf antike Sachverhalte, ganz im Geiste seiner Zeit. Die Sache bedürfte einer intensiveren Überprüfung, aber wahrscheinlich lassen sich die Vorbilder seiner Staatsphilosophie durchaus auch in der römischen Antike finden, ohne Byzanz bemühen zu müssen.
Der bekannteste byzantinische Traktat, der intensiv über die Diplomatie reflektiert (was selten ist!), trägt den Titel "De administrando imperio" und stammt aus der Mitte des 10. Jhs. Es handelt sich dabei um eine Art Handbuch von Kaiser Konstantin VII. für seinen Sohn und designierten Nachfolger und liegt auch in deutscher Übersetzung vor (Klaus Belke/Peter Soustal). Allerdings wurde die Schrift erst im frühen 17. Jh. erstmals ediert und Macchiavelli noch nicht zugänglich. Sehr wohl aber könnten dem italienischen Denker Beispiele aus diversen (bereits bekannten) byzantinischen Geschichtswerken geläufig gewesen sein.

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