Welche Rolle spielte der östliche Teil der Kirche bei den Kirchenreformen des 11.Jahrhunderts und wie veränderte sich sein Ansehen dabei unter westlichen Klerikern?

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Die Kirchenreformen des 11. Jahrhunderts in der Westkirche und das dadurch umso selbstbewusstere Auftreten der Päpste, die auch das westliche Kaisertum im Investiturstreit herausforderten, trugen ebenso zu einer Verschärfung der theologischen und kirchenpolitischen Konflikte mit der byzantinischen Kirche bei. Mit der Eroberung der letzten byzantinischen Territorien in Süditalien durch die Normannen gelangten diese Gebiete (wieder) unter die Jurisdiktion Roms (die dort bis ins 8. Jahrhundert bestanden hatte), was den Protest Konstantinopels hervorrief. Dazu kam eine Intensivierung der Debatte um schon länger strittige Punkte in der Glaubensauslegung und in der Glaubenspraxis, die auch durch Schriften byzantinischer Kirchengelehrter innerhalb der Ostkirche verschärft wurde. Vor diesem Hintergrund verhandelten Papst und byzantinischer Kaiser zwar 1054 sogar über eine Allianz gegen die Normannen (die auch die Stellung der Päpste zeitweilig bedrohten), doch scheiterten diese Verhandlungen nicht nur, sondern führten sogar zur wechselseitigen Verhängung des Kirchenbanns. Auch wenn diese später als „Großes Schisma“ bezeichnete Entzweiung in den Augen der Zeitgenossen wohl noch nicht jene nachhaltige Symbolwirkung besaß, wie sie ihr die spätere Forschung zuschrieb, so stellt das 11. Jahrhundert sicher eine Periode der Verdichtung der wechselseitigen Missverständnisse und der Wahrnehmung der Unterschiede zwischen West- und Ostkirche dar.

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