Wie sind die ganzen Länder danach entstanden? Und wer ist auf die Idee gekommen alles zu spalten bzw. ein eigenes Land zu gründen?

Alisa Pasaliuc

Geschichte

Dem Römischen Reich war es bis zum 1. Jh. v. Chr. gelungen, den gesamten Mittelmeerraum zum ersten (und einzigen) Mal in einem politischen Gebilde zu vereinigen. Diese Einheit zerfiel erstmals im 5. Jh., als die römische Herrschaft im Westen des Reiches zusammenbrach und neue Reiche basierend auf der Kooperation regionaler Eliten mit neuen „germanischen“ Machthabern entstanden, darunter am dauerhaftesten jenes der Franken in Mittel- und Westeuropa. Kaiser Justinian (reg. 527-565) konnte vom oströmischen/byzantinischen Reich aus mit der Eroberung Nordafrikas, Italiens und Südspaniens noch einmal große Teile des Mittelmeers unter römische Herrschaft bringen; allerdings gingen schon bald nach seinem Tod weite Italiens an die Langobarden verloren. Besonders dramatisch war dann der Verlust der reichen Gebiete in Syrien, Palästina, Ägypten und Nordafrika an die Araber im 7. Jh.; gleichzeitig verlor das byzantinische Reich die Kontrolle über das Innere der Balkanhalbinsel an zuwandernde slawischen Gruppen und ab 680 insbesondere an die aus dem Schwarzmeerraum kommenden Bulgaren. Zwischen dem 7. und dem 9. Jh. war das arabische Weltreich von Spanien bis an die Grenzen Indiens das größte staatliche Gebilde im westlichen Eurasien, zerfiel aber seinerseits ab der Mitte des 9. Jh.s in verschiedene regionale Machtgebilde. Byzanz profitierte davon und konnte bis zum frühen 11. Jh. seine Grenzen sowohl nach Osten bis in den heutigen Iran und im Balkan (nach Eroberung des Bulgarenreichs) wieder bis an die Donau ausdehnen. Nach 1071 gingen aber, nicht zuletzt aufgrund innerbyzantinischer Konflikte zwischen verschiedenen Elitengruppe, weite Teile Kleinasiens an die Seldschuken und andere türkische Gruppen verloren. Gegen Ende des 12. Jh.s machten sich Bulgaren und Serben auf dem Balkan selbstständig, währen auch lokale Eliten im verbliebenen Byzantinischen Reich nach Autonomie strebten. Die politische Einheit im vormals byzantinischen Raum wurde endgültig mit der Eroberung Konstantinopels 1204 durch die Kreuzfahrer und Venezianer zerschlagen- und auch wenn die Byzantiner Konstantinopel 1261 wieder zurückerobern konnten, gelang es nicht mehr, das vormalige übergreifende imperiale System wiederherzustellen. Südosteuropa und Kleinasien blieben von der Zergliederung in verschiedene regionale Mächte gekennzeichnet, bis es den Osmanen im 15. und 16. Jh.  gelang, noch einmal in all diesen Gebieten eine neue imperiale Ordnung zu errichten, die bis zum 19. Jh. Bestand hatte. Dann führte die Entstehung neuer nationaler Unabhängigkeitsbewegungen, aber auch das Eingreifen der europäischen Großmächte zum allmählichen Zerfall des Reiches bis hin zum Ersten Weltkrieg. Die danach im Nahen Osten etablieren Kolonialregime mit ihrer teilweise künstlichen Grenzziehung (mit dem Lineal auf der Landkarte) wurden wiederum nach 1945 durch verschiedene „nationale“ Regierungen abgelöst.
Kurz gesagt wechselten sich also immer wieder Phasen imperialer Einheit mit solchen politischer Fragmentierung ab, insbesondere sobald der innere Zusammenhalt durch Uneinigkeit der zentralen und regionalen Eliten geschwächt wurde und/oder Migrationen und Invasionen von außen einzelne Gebiete aus dem Reichsverband lösten (wobei die Neuankömmlinge nicht selten auf die Kooperation einheimischer Eliten und Bevölkerung rechnen konnten, die mit dem imperialen Regime unzufrieden worden waren). Daraus erklärt sich die immer wieder und auch heute sehr „bunte“ Landkarte im (vormals) byzantinischen Raum.

Mein Besuch

0 Einträge Eintrag

Voraussichtliche Besuchszeit

Liste senden