Wurde Kaiser Justinians "Codex iuris" original in Latein oder Griechisch abgefasst?

Josef Kriebaum

Alltag

Das Byzantinische Reich trat die Nachfolge des Römischen Reiches an, und dies ganz besonders in der administrativen Struktur. Dazu gehörte auch die Verwendung von Latein als Verwaltungssprache. Die Kaiser im griechisch geprägten Osten bedienten sich anfangs bei offiziellen Dokumenten ebenfalls des Lateins.

Als jedoch die große Einheit in einen West- und einen Ostteil zerfiel, nahm die Notwendigkeit einer gemeinsamen Sprache immer mehr ab – vor allem auch, weil Griechisch nun einmal die Alltags- und Literatursprache war. Bereits die Novellen Kaiser Justinians (nach 535) wurden auf Griechisch verfasst. Im Bereich der Gesetzestexte, die stark von lateinischen Termini bestimmt waren, begann ab dem folgenden Jahrhundert ein „Reinigungsprozess“ (Exhellenismos) – eine Umschrift lateinischer Termini in griechische Schrift oder sogar deren Ersatz durch ihre griechischen Entsprechungen. Ähnliches betraf auch Termini der Verwaltung oder des Militärs, wenngleich sich einige hartnäckig hielten und nicht mehr „ausgebürgert“ werden konnten. Solange man lateinische Worte noch in der Schreibweise mit lateinischen Buchstaben beibehielt, war mit abnehmender Kenntnis des Lateinischen freilich den unmöglichsten Wortgestalten Tür und Tor geöffnet.

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