Die behandelte Zeit hat ja auch den Aufstieg des Islams gesehen, der mir bei der Ausstellung viel zu kurz kommt. Es hat ja mit den div. islamischen Reichen ein Austausch (und nicht nur kriegerische Auseinandersetzungen) stattgefunden.

Thomas Nárosy

Ausstellung

Wie Sie richtig feststellen hat die behandelte Zeit in der Ausstellung den Aufstieg des Islams erlebt. Allerdings hat sich die Ausstellung "Das goldene Byzanz und der Orient", welche 2012 auf der Schallaburg gezeigt wurde, diesen Themen umfangreich gewidmet. Die diesjährige Ausstellung versucht hingegen die Ausstrahlung von Byzanz in den Westen zu thematisieren. Es werden daher die wechselhaften Beziehungen zum Westen über das Verbindungsglied Mittelmeer thematisiert.

Die Geschichte der byzantinisch-arabischen Beziehungen beginnt schon lange vor den muslimischen Eroberungen im 7. Jahrhundert n. Chr. Erst nach dem Tod des Propheten Muhammads (632) formierten sich die geeinten arabischen Stämme zu einer Streitmacht und bauten eine Flotte auf. Bald darauf gelang es ihnen den gesamten christlichen Osten und Nordafrika zu erobern. Die Araber sorgten mit ihrer Flotte für ein Ende der byzantinischen Vorherrschaft im Mittelmeer. Konstantinopel wurde dabei zwischen 674 und 678 und 717/718 ernsthaft bedroht und von den Arabern belagert. Durch Verteidigungsmittel wie das berühmte griechische Feuer und die starke Befestigungsmauer konnten die Angriffe allerdings abgewehrt werden. Im 10. Jh. konnten die Byzantiner ihre Reichsgrenze wieder über den Euphrat in Syrien und Mesopotamien ausdehnen. Allerdings traten Mitte des 11. Jh. bereits die Seldschuken auf, die ihrerseits sowohl gegen die Byzantiner als auch gegen die Araber kämpften.

Die Beziehungen zwischen den Byzantinern und Arabern waren natürlich nicht nur kriegerischer Natur. Es gab sehr wohl einen diplomatischen und kulturellen Austausch. Zum Zwecke diplomatischer Verhandlungen sandte man sich gegenseitig Gesandtschaften. Die byzantinischen Kaiser hielten am römischen Zeremoniell fest. Dieses Zeremoniell wurde auch von den arabischen Kalifen übernommen, um kulturelle Ebenbürtigkeit zu demonstrieren. Beide Seiten empfingen die Gesandten der gegnerischen Partei in prunkvoll inszenierten Audienzen. Man sandte sich prunkvolle Geschenke wie kunstvoll illustrierte Bücher und kostbare Seidenstoffe. Im 8. Jh. berichtet der islamische Gelehrte Ibn Battuta, dass der byzantinische Kaiser dem umayyadischen Kalifen al-Walid (705 - 715) 12.000 Handwerker für den Bau der großen Moschee in Damaskus übermittelte. Tatsächlich sind in diversen islamischen Bauwerken noch heute Einflüsse byzantinischer Handwerkskunst erkennbar.

Darüber hinaus wurde im 9. Jh. eine Vielzahl von antiken naturwissenschaftlichen und philosophischen Texten aus dem Griechischen ins Arabische übersetzt. Die Araber übernahmen viel aus dem Bereich der Naturwissenschaften wie Kenntnisse aus der Medizin und der Geographie, haben aber vieles weiterentwickelt. Daneben hatte die griechische Philosophie von Platon und Aristoteles durch diesen Texttransfer einen großen Einfluss auf das islamische Denken. Über das von den Arabern eroberte Spanien und Sizilien gelangte dieses antike byzantinische Wissen angereichtert mit arabischen Vorstellungen schließlich in das mittelalterliche europäische Abendland. Daneben gibt es eine Reihe von orientalisch-arabischen Texten aus dem bereich der Erzählliteratur wie moralische Geschichten, Weisen, Fabeln, Märchen und Epen, die Eingang in die byzantinische Literatur gefunden haben. Die byzantinisch-arabischen Beziehungen sind demnach viel tiefgründiger zu sehen.

Der Artikel "Künstlerischer und kultureller Austausch zwischen Byzanz und dem Islam" von Neslihan Asutay-Effenberger im Ausstellungskatalog "Das goldene Byzanz und der Orient", 2012 fasst diese Wechselwirkung und Beziehungsgeschichte sehr gut zusammen. Ein grudlegendes Werk zu den arabisch-byzantinischen Beziehungen stellt das Buch "Byzantium Viewed by the Arabs" von Nadia M. El-Cheikh Saliba dar.

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