Wie hat sich die französische Sprache entwickelt, wenn im Westen nur Latein gesprochen wurde?

Elfriede Pirker

Wissenswertes

Nach der römischen Eroberung Galliens durch Julius Cäsar zwischen 58 und 50 v. Chr. setzte sich Latein allmählich als Verkehrssprache im ganzen Land durch und verdrängte die vorher gesprochenen verschiedenen keltischen Sprachen. Letztere beeinflussten allerdings in einigen Elementen weiter die tatsächlich gesprochene Sprache, die sich als „Vulgärlatein“ von der Hoch- und Schriftsprache unterschied. Nach dem Zerfall der weströmischen Herrschaft in Westeuropa im 5. Jh. n. Chr. entwickelten sich aus diesem gesprochenen Latein verschiedene regionale (romanische) Sprachen, nicht nur in Gallien, sondern auch auf der iberischen Halbinseln, in Italien und in anderen Gebieten. In Gallien blieb insbesondere der ganze Süden auch dann weiterhin romanisch-sprachig, als das Land von den germanisch-sprachigen Franken erobert wurde, die aber wiederum einige Elemente ihrer Sprache in die sich auf dem Weg zu den „altfranzösischen“ Sprachenformen befindlichen Sprachen einbrachten.  Als erstes schriftliches Dokument des Altfranzösischen des Mittelalters gelten die Straßburger Eide aus dem Jahr 842, in denen sich zwei der Enkelsöhne Karls des Großen gegen ihren dritten Bruder verbündeten, um eine Aufteilung des Reiches zu erzwingen (die Verwendung des Altfranzösischen im Schriftlichen war damals noch ungewöhnlich, da man in Texten versuchte, noch weitgehend dem „klassischen“ Latein, das aber nicht mehr gesprochen wurde, zu folgen). In den folgenden Jahrhunderten bestanden verschiedene Dialekte und Sprachformen in verschiedenen Regionen Frankreichs weiter; erst mit der Gründung der Académie française 1635 begann ein Prozess der Vereinheitlichung und Standardisierung. Das Französische ist also (wie das Italienische, Spanische, Rumänische usw.) eine Weiterentwicklung des Lateinischen über einen Zeitraum von 2000 Jahren.

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