Welche technischen und naturwissenschaftlichen Leistungen verdanken wir den Byzantinern?

Thomas Nárosy

Wissenswertes

Die Liste der byzantinischen Leistungen im Bereich der Technik und Naturwissenschaften wäre recht lang. Der rumänische Byzantinist Nicolae Iorga prägte mit seinem Begriff "Byzance après Byzance" (Byzanz nach Byzanz) das Fortleben und die Nachwirkung der byzantinischen Errungenschaften, Kultur, und Technologie nach 1453. Einerseits gibt es eine gewachsene postbyzantinische Kultur in den Ländern Südost- und Osteuropas, wo als gemeinsame Basis der orthodoxe Glaube fungiert. In Griechenland bildet die byzantinische Vergangenheit neben dem antiken Erbe einen wichtigen Teil der nationalen und religiösen Identität. Andererseits begann man im 19. und 20. Jh. bewusst byzantinische Formen, Stile und Techniken zu rezipieren.

Bis ins 12. Jh. war das Byzantinische Reich "die" europäische Leitkultur, der viele europäische Staaten nachzueifern versuchten. Byzantinische kunsthandwerkliche Produkte wie Seidenstoffe, Elfenbeinkunst, Gold- und Silberarbeiten, sowie Email-  und Bronzekunst, später auch kunstvoll gestaltete Reliquienschätze, waren überall begehrt. Auch technische Errungenschaften fanden im Ausland großes Interesse, darunter wären beispielsweise Musikinstrumente wie Orgeln oder Waffen wie das "griechische Feuer" zu nennen, das eine Art Flammenwerfer auf Rohölbasis darstellt und vor allem in Seeschlachten Verwendung fand. Die Byzantiner betrieben eine sehr aktive Diplomatie, suchten die Nachbarn aus einer Position der Überlegenheit zu kontrollieren. Ein gewaltiger Erfolg für Byzanz war der "Export" des orthodoxen Christentums, grundgelegt durch das Wirken der Slawenapostel Kyill und Method. Auch die Osmanen hatten ab 1453 erheblichen Einfluss daran, dass das byzantinische Erbe gewissermaßen fortexistierte und byzantinische Technologien weiterentwickelt wurden.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Leistung der Byzantiner auch in der Bewahrung des alten antiken Wissens lag. Sie verstanden es christliche Grundwerte mit römischen Rechts- und Verwaltungsstrukturen einerseits mit den Denksystemen und dem gesammelten Wissen der Antike andererseits auf kreative Art neuzuverbinden. Dieses Kulturpotential entwickelte Byzanz über ein Jahrtausend weiter und prägte dadurch das kulturelle und politische Selbstverständnis Europas.

Literaturtipp: Hans-Georg Beck, Das Byzantinische Jahrtausend. München 1978.

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