Wie hat sich die byzantinische Kultur entwickelt?

Matthias

Wissenswertes

Die byzantinische Kultur hatte 1100 Jahre Zeit sich zu entwickeln und zu entfalten.

Die Byzantiner verstanden sich selbst eigentlich als Römer (rhomaioi). Hatte sich der Begriff „Hellene“ (hellen) seit der Christianisierung ausschließlich auf die heidnischen alten Griechen bezogen (mit allen negativen Konnotationen), beanspruchte man deren kulturelle Leistungen nun stolz für sich. Das wiederum stand in Wechselwirkung mit einer nun wieder intensivierten Beschäftigung mit der Antike; sie ermöglichte jene intellektuellen und künstlerischen Höchstleistungen, die schließlich auch Niederschlag im Westen finden sollten. Die Religion spielte bei der Definition der byzantinischen Kultur ebenfalls eine größere Rolle als in den vergangenen Jahrhunderten.

Kaiser Konstantin der Große (reg. 306-337) weihte an der Stelle von Byzantion im Jahr 330 die Konstantinsstadt (griech. Konstantinopolis) ein, womit er nicht nur eine neue, nach ihm benannte Residenz der römischen Kaiser schuf, sondern auch ein Zeichen setzte, das die machtpolitische und wirtschaftliche Bedeutung des Ostens innerhalb der römischen Mittelmeer-Ökumene hervorheben sollte. Konstantinopel entwickelte sich dank seiner idealen geographischen Lage bald - zeitweise im Gegensatz zum italischen alten Rom - zum christlichen neuen Rom (griech. Nea Rome) und übernahm die Führungsrolle innerhalb des Römischen Reiches in der christlichen Spätantike und im Frühmittelalter. Bis in das 12.Jh. war das Byzantinische Reich "die" europäische Leitkultur, der man nacheiferte: Byzantinische kunsthandwerkliche Produkte wie Seidenstoffe, Elfenbeinkunst, Gold- und Silberarbeiten, sowie Email-  und Bronzekunst, später auch kunstvoll gestaltete Reliquienschätze, waren überall begehrt. Auch technische Errungenschaften fanden im Ausland großes Interesse, darunter wären beispielsweise Musikinstrumente wie Orgeln oder Waffen wie das "griechische Feuer" zu nennen, das eine Art Flammenwerfer auf Rohölbasis darstellt und vor allem in Seeschlachten Verwendung fand. Die Byzantiner betrieben eine sehr aktive Diplomatie, suchten die Nachbarn aus einer Position der Überlegenheit zu kontrollieren. Ein gewaltiger Erfolg für Byzanz war der "Export" des orthodoxen Christentums, grundgelegt durch das Wirken der Slawenapostel Kyrill und Method.

Die Leistung der Byzantiner liegt auch in der Bewahrung des alten antiken Wissens. Sie verstanden es christliche Grundwerte mit römischen Rechts- und Verwaltungsstrukturen einerseits, mit den Denksystemen und dem gesammelten Wissen der Antike andererseits auf kreative Art neuzuverbinden. Dieses Kulturpotential entwickelte Byzanz über ein Jahrtausend weiter und prägte dadurch das kulturelle und politische Selbstverständnis Europas.

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