Hat die Verbreitung des Islams im 10ten Jahrhundert Richtung Europa die Kreuzzüge initiiert?

Michael Nassioudis

Geschichte

Die Ausbreitung des Islam geriet im Westen (Spanien) aber bereits um die Mitte des Jahrhundert ins Stocken, im Osten scheiterte der letzte arabische Versuch einer Eroberung Konstantinopels bereits im frühen 8. Jahrhundert. Von einer Expansion des Islam im 10. Jahrhundert nach Europa kann daher keine Rede sein.
Am Vorabend der Kreuzzüge (spätes 11. Jh.) hatte man sich im Westen mit der Situation arrangiert: In Spanien kam es sogar zu christlich-muslimischen Bündnissen, in Sizilien lebten Christen und Muslime lange nebeneinander. Die Byzantiner pflegten nach einer langen Zeit von Grenzkonflikten gute Kontakte mit dem Kalifat der Fatimiden. Die Situation änderte sich erst durch die
Westexpansion der (ebenfalls muslimischen) Seldschuken bis nach Kleinasien (im 11. Jh., allerdings auch hier ohne erkennbares Ziel Europa), die den Fatimiden kurzfristig Jerusalem entrissen und die Situation für christliche Pilger vorübergehend verschlechterten, was schlussendlich zum Aufruf Papst Urbans führte.
Die Kreuzzüge entstanden also keineswegs als defensive Gegenmaßnahme, um Europa vor dem Islam zu schützen, sondern im Gegenteil als Angriffskrieg, um selbst Kontrolle über die Stätten im Heiligen Land zu erringen.

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