Was waren 1054 die Unterschiede, an denen man sich beim Schisma festgemacht hatte?

Anonym

Alltag

Vor allem Fragen, die den Ritus betreffen haben zu der Streitdiskussion zwischen den östlichen und westlichen Kirchen geführt. In der westlichen Kirche beharrte man beispielweise darauf ungesäuertes Brot in der Eucharistiefeier zu verwenden.

Ausgehend von der Streitfrage nach der Gerichtsbarkeit über Diözesen in byzantinischen Gebieten Süditaliens sandte der Papst Leo IX. Kardinal Humbert von Silva Candida nach Konstantinopel. Die Ereignisse hatten sich durch persönlich Vorurteile, Animositäten und Fehleinschätzungen überschlagen und mündeten darin, dass der Patriarch von Konstantinopel, Michael Kerullarios und Kardinal Silva Candida sich gegenseitig mit dem Kirchenbann belegten. Dem Streit vorausgegangen war der so genannte „Filioque-Streit“: Die Diskussion befasste sich mit der Frage, ob der Heilige Geist nur vom Vater oder auch vom Sohn ausgeht. Die römisch-katholische Kirche hält bis heute an am Zusatz des filioque fest: Der Heilige Geist geht aus Gottvater und Sohn hervor. Es ist anzunehmen, dass hinter dieser Streitfrage vor allem auch die Frage stand: Wer steht an der Spitze der Kirche? Theologische Spitzfindigkeiten wurden nur vorgeschoben. Der Papst hat sich in Rom zu einer sehr starken Regionalmacht entwickelt. Das Bündnis zwischen dem Papst und den Franken hat ihn an die Spitze gebracht.

Auch die Kreuzzüge haben das Verhältnis der Lateiner und Byzantiner in Mitleidenschaft gezogen. In der spätbyzantinischen Zeit war man bemüht das Verhältnis zwischen der römisch-katholischen Kirche und der byzantinischen Kirche zu verbessern. Man wollte die liturgischen und dogmatischen Differenzen beseitigen, was allerdings am Widerstand der Bevölkerung und des byzantinischen Klerus scheiterte. Selbst als man sich bereits im 14. Jahrhundert der drohenden osmanischen Gefahr gewahr wurde und der byzantinische Kaiser beim Papst in Rom um Hilfe erbat und ihm im Gegenzug die Kirchenunion angeboten hatte, scheiterte man am Widerstand des byzantinischen Klerus. Erst im Jahre 1965 wurde die Trennung zwischen der Kirche des Ostens und des Westens – zumindest formal – aufgehoben.

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